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Stil und Etikette in Bolivien -
Anrede & Co.

Erscheinen Sie bei einer Veranstaltung oder Einladung, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Runde zu machen und jeden Einzelnen zu begrüßen. Die Hände werden geschüttelt - kurz und mit festem Druck. Kennt man sich gut, dann wird das Zeremoniell wie folgt erweitert: Sie schütteln die Hand, umarmen Ihren Gegenüber, schütteln noch einmal die Hand. Die Frauen untereinander küssen sich auf die Wange - links, und wenn sie mögen, auch noch rechts. Ohne individuelle Verabschiedung nach obigem Muster können Sie die Veranstaltung nicht verlassen. Auch Umarmungen sind üblich. Ist Ihnen das zu anstrengend, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, als erster zu kommen und als letzter zu gehen, was auch nicht dem guten Ton entspricht.

Der Augenkontakt gehört zur Begrüßung. Weichen Sie dem Blick Ihres Gegenübers nicht aus.

Ansonsten kann man sich im privaten Kreis auch sehr leger begrüßen, indem man einfach nur die Schulter berührt. Titel sind wichtig und werden gern verwendet. Sprechen Sie Juristen mit Licenciado an, Techniker werden mit Ingeniero und Lehrer mit Professor angesprochen und nicht mit "Maestro", wie in anderen Ländern. Die Anrede Maestro wird für Fahrer verwendet.

Im Geschäftsleben reicht bei der Begrüßung ein Handschlag, besonders beim anderen Geschlecht.

Die formelle Anrede ist "Señor", "Señora" bzw. Señorita". Haben Sie es mit einem indigena zu tun, also einem Einheimischen in Landestracht oder auch einem einfachen Arbeiter, dann ist die richtige Anrede "Caballero" für den Mann und "Señora" für die Frau. Es mag uns etwas diskriminierend erscheinen, doch so sind die Sitten des Landes. Werden Sie als "Caballero" angesprochen, sollten Sie Ihren Gesprächspartner nur mit dem Namen ansprechen.

Wer sich nicht kennt, verwendet meist das formelle Sie (usted), es kann aber auch vorkommen, dass Sie gleich mit "Du" angeredet werden. Dann sollten Sie ebenfalls zum "Du" übergehen. Würden Sie weiterhin beim "Sie" bleiben, empfindet man das als Zurückweisung oder Beleidigung. Wissen sollten Sie auch, dass die meisten indigenas ausschließlich die Du-Form verwenden - egal, ob es sich um Freunde, Fremde oder gar einen Minister handelt.

Spitznamen sind hier sehr beliebt. Es gibt kaum jemanden, der nicht damit bedacht wird. "Dickerchen" (gordito) ist eher liebevoll gemeint und auch "gringo" hat im Privatleben keine negative Bedeutung.

Birgit Rupprecht-Stroell: "Stil und Etikette - Handbuch Bolivien"
ISBN 978-3-937887-91-3
8,00 Euro, 24 Seiten, DIN A4
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